Verbreitung der Gattung Notocactus

Stand: 03/02/1998

Norbert Gerloff & Stanislav Stuchlik

Die Gattung Notocactus ist in Uruguay, Paraguay, den südlichen Staaten Brasiliens (Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Parana) und Teilen Argentiniens verbreitet. Die größte Anzahl der Arten stammt aus dem Grenzgebiet von Uruguay und Brasilien, namentlich aus dem Staate Rio Grande do Sul. In westlicher Richtung verkleinert sich die Dichte des Vorkommens der Gattung Notocactus. Die letzten Vertreter der Gattung finden wir in der Sierra Cordoba in Nordargentinien mit N. submammulosus und N. sessiliflorus. In der Sierra de Ancasti fand Lau den N. submammilatus n.n. L 5o2. Wenn wir vom Zentrum der Verbreitung weg nach Norden schreiten, kommen wir bis zum brasilianischen Staate Parana, wo die nördlichsten Vertreter der Gattung im Osten des Kontinentes mit N. carambeiensis und seiner Varietät villa-velhensis und zahlreiche Formen und Varietäten des N. linkii wachsen. Der N. vorwerkianus in Kolumbien ist der absolut nördlichste Vertreter der Gattung überhaupt. Man streitet aber über die Theorie, daß diese Pflanze aus Argentinien von Siedlern dorthin gebracht wurde.

Die ersten Arten wurden in der Umgebung der vor 15o Jahren schon besiedelten Areale gesammelt. Das war in Süduruguay und entlang der großen Flüsse, die als erste Verkehrsverbindungen dienten. Viele dieser alten Fundorte existieren heute nicht mehr. Die Mehrzahl der Neufunde stammt aus Rio Grande do Sul / Brasilien. Auch hier hat der wirtschaftende Mensch durch seine Tätigkeit verhängnisvollen Anteil an der Vernichtung von Pflanzen. Die Vielzahl von Neufunden soll laut Buining nur einen kleinen Anteil der Kakteenflora des Landes darstellen. Buining schätzte diesen Anteil vor 2o Jahren auf 1o Prozent, Werner Uebelmann spricht 1985 von einem Tropfen im Meer. Dieser große Reichtum ist in den letzten Jahren immer mehr durch Baumaßnahmen und intensive Viehhaltung gefährdet. Auch wirken sich die bewußt gelegten Brände auf manche Standorte und deren Kakteenbestand negativ aus.

Im Zentrum der Artenverbreitung konzentriert sich das Vorkommen der Notokakteen auf die steinigen Stellen der flachen Hügelketten, den Cuchillas oder Sierras.

Notocactus ampliocostatus (Ritter) Theunissen HU 307 am Standort (Foto: A.F.H. Buining)Auch Felswände sind Plätze, in denen man bestimmte Notokakteen finden kann. So wachsen die Eriokakteen und die rotblühenden Notos um N. horstii in solcher Lage. Die Hügel sind in Uruguay 300 bis 400 Meter hoch. In Rio Grande do Sul erreichen die Berge der Aparados da Serra über 1000 m. Diese Gebirge sind teilweise schwer zugänglich, dazu kommen häufig starke Regenfälle, die eine üppige und daher kaum zu durchdringende Vegetation verursachen.

Die Vertreter der Gattung Notocactus kommen häufig in Gemeinschaft mit Vertretern der Gattungen Frailea und Gymnocalycium vor. Sie wachsen weniger häufig in der prallen Sonne, sondern eher im Halbschatten von Sträuchern und Gräsern. Auf Felsen wurzeln sie in den Ritzen und Mulden, wo sich die Reste von abgestorbenen Pflanzen angesammelt haben oder in Polstern von Moosen und Flechten. Der Boden ist zumeist sauer. Die Ph-Werte schwanken zwischen 5,0 und 5,8! Pflanzen, die auf Steinen sitzen, bilden ein fein verzweigtes Wurzelsystem aus. Nach einem Bericht von Dirk van Vliet können sich die Wurzeln einer solchen Pflanzen über einen Quadratmeter Fläche ausbreiten, um dort die Nährstoffe aufzunehmen.

Manche Arten haben ein riesiges Areal besiedelt, wie zum Beispiel Notocactus ottonis oder N. linkii. Sie bilden viele Varietäten und Formen, die sich den unterschiedlichen äußeren Bedingungen anzupassen vermochten. Dagegen gibt es auch Arten, die nur auf einer sehr kleinen Fläche und in sehr kleiner Anzahl von Individuen gefunden wurden. So wurden von N. eremiticus nur 1 Exemplar und von N. harmonianus nur 2 gefunden. Solche Habitate stellen Restpopulationen von Pflanzen dar, die sich vermutlich allein oder in so geringer Zahl nicht mehr vermehren und erhalten können.

Der Größe des Verbreitungsgebietes der Notokakteen entsprechen die Unterschiede der klimatischen Gegebenheiten. In Uruguay sind die durchschnittlichen Jahrestemperaturen mit 15 bis 18 Grad Celsius recht hoch (zum Vergleich Frankfurt/M: 10,2 Grad). Auch die Jahresniederschlagsmenge ist höher als wir sie in Mitteleuropa erwarten: 800 bis 13oo mm im Jahr in Uruguay, wobei sie sich regelmäßig auf das Jahr verteilt. Nur im Süden des Landes gibt es eine mehrmonatige Trockenperiode. In Brasilien sind die Niederschläge eines Jahres mit 1200 bis 2000 mm noch höher, aber auch die Jahresdurchschnittstemperatur liegt höher, bei 17 bis 19 Grad Celsius. Und trotzdem gibt es in den vom Atlantik abgelegenen Pampas im Westen eine sommerliche Trockenperiode. Insgesamt erstaunt uns die Tatsache, daß die Kakteen in ihrer Heimat im Winter bei Temperaturen von 8 Grad reichlich Regen erhalten und vertragen.

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