Untergattung Brasilicactus

Stand: 28/06/2003

BUXBAUM, F. in KRAINZ, H. (1967): Die Kakteen, Lfg 35: C-VI-c

TYPUS: N. graessneri (K. Schumann 1903) A. Berger ex Krainz 1960

BASIONYM: Echinocactus graessneri K. Schumann 1903 - SCHUMANN, K (1903): Ein neuer Echinocactus aus Südbrasilien; Monatsschrift für Kakteenkunde 13: 129-130

KÖRPERBAU: Kugelige bis breitkugelige, selten im Alter verlängerte Pflanzen mit eingesenktem Scheitel; alte Pflanzen auch über 2o cm groß. Epidermis blattgrün, Pflanzen nicht sprossend, mit zahlreichen in kleine Wärzchen geteilten Rippen und sehr dichter, feiner Bedornung. Der mit spärlicher Wolle bedeckte Scheitel neigt sich im Blühalter zur Hauptlichtseite, wesentlich mehr als es bei den Vertretern der Sektion Eriocactus der Fall ist. Faserwurzeln.

RIPPEN: Sehr niedrig und zahlreich, 3o bis 6o; mäßig gewunden, stärker in halbkugelige, sehr zahlreiche, fast konische , 3 bis 4 mm hohe Wärzchen aufgelöst, auf welchen die fein-weißgelbfilzigen Areolen mit sehr dichter, aber feiner Bedornung obenauf sitzen.

AREOLEN: Kreisrund; junge Areolen sehr stark gelblich-weiß, feinwollig; Areolen dichter als bei den Vertretern der verwandten Sektionen mit Ausnahme der Sektion Notobrasilia angeordnet, 3 mm bis 7 mm entfernt, oben auf den Wärzchen sitzend.

DORNEN: Zahlreich, 3o bis 6o pro Areole; nadelförmig, ziemlich steif, bis um 2 cm lang, durchscheinend weiß bis sattgelb in ganzer Länge, leicht zerbrechlich, verteilt über die ganze Areole, ohne ausgeprägte Mitteldornen, oder diese schwer erkennbar (in der Anzahl um 6). Dornen bei alten Pflanzen zur Basis hin vergrauend.

BLÜTEN: Die nur für die Sektion Brasilicactus typischen, den anderen verwandten Sektionen sehr fernstehenden, kleinen (um 2 cm) grünlichen, orangegelben oder roten Blüten, entspringen in großer Zahl der Scheitelregion. Sie sind individuell sehr variabel; Die Blütenröhre ist sehr kurz, über dem Fruchtknoten kurz trichterig-glockig erweitert bis schmal trichterförmig. Die Wandung ist dick. Die Schuppen sind klein, die Wolle in den Schuppenachseln ist relativ kurz und fein, wodurch die reichliche, steifborstige, abstehende Bedornung stark auffällt. Der Fruchtknoten ist außen von der Röhre nicht abgesetzt; die Röhre ist tubisch, nur am Ausgang scharf nach außen gebogen. Die Ansatzfläche der Samenstränge, die meist ausbricht oder sonst verschrumpft, ist verschmälert und zurückentwickelt. Staubblätter stehen alle aufrecht, dicht um den weißlich-grünen bis gelblichen Griffel inseriert, sie sind ebenfalls weißlich grün bis gelblich. Die Staubblätter umschließen ein Nektarium. Die gelben Staubbeutel liegen sehr nahe an der Narbe, dicht beisammen durch die inneren Kronblätter zusammengehalten. Staubblätter sind nicht reizbar. Der Griffel trägt eine kurze, nicht sehr weit gespreizte Narbe, Narbenlappen 7 bis 8, weißgrün bis weißgelblich oder gelb. Die Kronblätter von innen nach außen an Größe zunehmend, außen dann bis doppelte Länge. Die inneren Kronblätter stehen aufrecht, oder sie sind etwas nach innen geneigt. Befruchtungsverhältnisse nicht geklärt.

FRÜCHTE: Infolge des Blütenaufbaus ist auch der Blütengröße entsprechend die kleine Frucht nicht wollig, hat eine sehr geringe feine Behaarung und ist nur mit wenigen, steifen Borsten bekleidet. Sie ist ziemlich kleinkugelig, dünnwandig, lederartig; weichwerdend im vollreifen Zustand, dann dünn und spröde, so daß sie beim Pflücken leicht durchbricht; später vertrocknend. Die Frucht platzt manchmal bei der Reife unten unregelmäßig auf.

SAMEN: Deutlich unterschiedlich zu den Samen verwandter Sektionen; wesentlich kleiner, verlängert bis gekrümmt-glockenförmig, stark warzig, mit glänzend schwarzen, größeren Höckern besetzt, welche nahe zur Basis hin in Reihen angeordnet sind. Keimseite gewellt, von hellgrauer Farbe. Der Hilum-Micropylar-Bereich ist breit oval, der Micropylarhügel stark ausgeprägt. Testarand am HMB gering nach außen gebogen, HMB basal, deutlich aus zwei Abschnitten bestehend. Der ventrale Abschnitt ist deutlich größer als bei Samen anderer verwandter Sektionen, wo er beträchtlich kleiner, kaum vertieft ist und die Abrißnarbe enthält. Er ist gegen den dorsalen Teil mit der Micropyle stumpf gewinkelt; Letzerer Teil ist etwas kleiner, aber breiter, leicht oval und zur Micropyle hin vorgewölbt. Während bei Samen von verwandten Sektionen die Micropyle nahezu in der Mitte des HMB liegt, ist sie hier mehr dem dorsalen Bereich des Hilums genähert. Es fehlt auch die Abwinkelung der beiden Hilumpartien.

AREAL: Am Rande der Aparados da Serra und auf dieser zu finden, östliches Südbrasilien in den Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina.

ARTEN:

Artname, Entdecker und Jahr Autor und Jahr
N. graessneri (K. Schumann 1903) Berger ex Krainz 1960
N. haselbergii (Haage ex. Ruempler 1886) Berger ex Krainz 1967

Für diese Untergattung gibt es einen langen Streit über den Status dieser Pflanzengruppe und ebenso über ihren richtigen Namen. So rechnen einige Autoren die Brasilikakteen zu den Notokakteen, andere sehen sie als eigenständige Kleingattung an. Erst vor wenigen Jahren wurde diese Diskussion durch die Einbeziehung aller Kleingattungen, die Buxbaum unter der Großgattung Notocactus vereinigt hatte, zur neuen Großgattung PARODIA durch HUNT & TAYLOR (1986) entscheidend beeinflusst.

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