Parodia oder Notocactus?

Stand: Oktober 2010

 

DAS TRAURIGE JUBILÄUM
20 JAHRE NOTOCACTUS UND / ODER PARODIA

(Hunt & Taylor 1986: The genera of the Cactaceae toward a new consensus)
von Dipl.-Ing.Jozka Neduchal †


Notocactus und / oder Parodia

Mitte der 80iger Jahre kamen einige Mitglieder der IOS zu der Meinung, dass im Bereich der Kakteen die Anzahl der Gattungen zu groß sei und schlugen vor, einige Gattungen zu eliminieren, bzw. einige Gattungen in andere zu integrieren. Davon war auch die Gattung Notocactus im Rahmen der Unterfamilie Notocactinae betroffen. Erste Arbeiten dazu gab es 1986/87. Vorher war es nur der deutsche Entomologe F.H. Brandt, der sich in seiner Privat-Zeitschrift KAKTEEN- UND ORCHIDEEN-RUNDSCHAU im Jahre 1982 (und danach auch in anderen Zeitschriften) mit dem Thema Notocactus / Parodia befasst hat. Wegen vieler - auch nomenklatorischer - Fehler wurden seine Bemühungen scharf abgelehnt. Dann kam das System der "IOS-Consensus-Gruppe" (siehe Titel), später - ab 1996 - unterstützt durch D.R. Hunts Blatt CCI/CSI, nach welchem die Gattung Notocactus in die Gattung Parodia integriert werden sollte. Die Noto-Freunde lehnten diese Integration sehr wohl begründet ab ("Konzept in ersten Zügen" hat man damals die IOS-Zeilen genannt - bis heute ist es bei diesem Stadium fast geblieben) und brachten es in mehreren Artikeln zum Ausdruck. Internoto e.V. blieb bis Heute bei der Gattung Notocactus. Mit der Zeit hat sich auch die Inter-Parodia-Kette (Vereinigung der Parodien-Liebhaber) dieser Meinung angeschlossen und lehnt heute die Eingliederung der Notokakteen in die Gattung Parodia ab. Beide Gruppen stehen ablehnend auch zu den Namens-kreationen mancher Herren, die nach dem Erscheinen der EUROPEAN GARDEN FLORA im Jahre 1989, gemeint haben sich profilieren zu müssen. Im Bereich des internati-onalen Handels fand zwar das neue System hin-und-da formal schnell Eingang, führte aber - so wie auch bei den Liebhabern - zu manchen Verunsicherungen. Bei den Händlern hat die Verwendung der "neuen" Parodiennamen sogar auf offene Verärgerung der Kunden gestoßen, was sich in den Kassen bemerkbar gemacht hat. Sie sind zu altgewohnten Namen zurückgekehrt. Eingang fand die Verwirrung auch in CITES-Listen. Diese Listen waren so fehlerhaft und lückenhaft, dass Klarheit nur mit Parallellisten der "alten" Namen geschaffen werden konnte. Manche "Spezialis-ten" änderten schnell-schnell, aus Unkenntnis, die Etiketten, zum Teil gemeint als Zeichen des Fortschritts. Seitens der Spezialisten unter den Liebhabern der Gattung Notocactus forderte man Korrekturen des ganzen Vorganges, des ganzen Hin-und-her, ohne Erfolg. Ihre Einsprüche waren den Vertretern des "new Consensus" nicht eine Zeile Antwort wert, wobei es bis heute geblieben ist.
Manche in der IOS haben Ende der 80igerjahre neue Parodiennamen einfach geschaffen indem sie einige Taxa von Notocactus zu Parodia kombinierten. In den meisten Fällen kannten sie die Pflanzen nicht, sondern werteten die Beschreibungen aus. Die Meinungen der Pflanzenkenner, die sich in den Lebensbereichen beider Gattungen gut, ja sehr gut ausgekannt haben, blieben unberücksichtigt liegen. Es kam bei den Neukombinationen oftmals nicht nur zum Austausch des Gattungs-namens, sondern man versuchte gleichzeitig die Zahl der Arten zu verringern. Bei dieser Art von "lumping", durch Menschen, die sich mit den Notokakteen - und so nebenbei: auch mit den Parodien - nicht auskannten, kam es zu einer erheblichen Anzahl von falschen Synonymisierungen. Nun wurden vereinzelte Kenner der Gattung Notocactus wieder tätig, haben diese offensichtlichen Fehler versucht zu korrigieren, auch wenn sie damit im Prinzip das System der Neu-Gattung Parodia perfektionierten. Nicht einmal dies wurde von den IOS-Spezialisten zu Kenntnis genommen, obwohl sie selbst zur Korrektur nicht in der Lage waren. Niemand von unserer Schwesterorganisation, der Inter-Parodia-Kette, hat damals leider aktuell auf den "Zuwachs" in ihrer Gattung reagiert. Nur einer, der verstorbene Walter Weskamp, der mit den Parodien viel gearbeitet hat, lehnte aufgrund seiner Kenntnisse der Gattung Parodia die Eingliederung der Notokakteen in "seine" Gattung strikt ab.
Die Namen der Notokakteen, die man zu Parodien zu machen versucht hat, stehen da bis heute auf dem Papier in der Neu-Gattung Parodia so einfach vor sich hin. Die Arbeiten an einem taxonomischen Konzept der Gattung Parodia durch die Inter-Parodia-Kette haben erst begonnen. Eine taxonomische Neubearbeitung der Gattung Notocactus erschien im Jahre 2004. Man kann es nicht als hochwertige geistige Arbeit ansehen, wenn man die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung durch Fric, Buxbaum, Krainz, Schäfer, Stuchlik, Gerloff, Neduchal und viele andere über die einzelnen Untergattungen ganz einfach fortwirft. Oder andere Aufteilungen und die Bedeutung der Abgrenzungsmerkmale bei der Gattung Notocactus ganz einfach verschweigt und fröhlich neue Namen schafft. Nur deswegen, weil es von einer IOS-Consensus-Gruppe am grünen Tisch beschlossen wurde. Die wirklichen Kenner der Gattungen Notocactus und Parodia wissen um die immense Arbeit Gliederungsstrukturen zu begründen. Sie wissen, was für ein Wert - nämlich keinen - nur ein lustig-fröhliches Namensmachen ohne gründliche Bearbeitung hat und welcher Wert dem Erscheinen von eigenen Namen - als Autor - dem entgegen seitens der Kreatoren der neuen Pflanzennamen beigemessen wird. Wir können nach wie vor Notokakteen gut von Parodien unterscheiden. Wir haben ein durchdachtes und bewährtes System, so einfach werdeen wir es nicht opfern. Über eine lange Zeit haben die großen Zeitschriften der Kakteenwelt beide Namens-systeme nebeneinander verwendet. Eine grundsätzliche Arbeit von J. Neduchal für KuaS zum Thema Notocactus / Parodia wurde aber als "für den Leserkreis unrelevant" von den Entscheidungsträgern der Redaktion abgelehnt. In der letzten Zeit werden dort fast nur noch die Parodiennamen verwendet - egal ob unbegründet oder sogar nomenklatorisch falsch. Mehrere Leser von KuaS und SUCCULENTA wandten sich verwundert an Internoto, als die ersten längeren Artikel mit den Gattungsnamen Parodia statt Notocactus veröffentlicht worden sind. Man möge sich dabei erinnern, dass manche früher die Notokakteen noch verteidigt haben - bis man entdeckt hat, dass man es bei den Parodien in IOS-Auffassung leichter hat. Man muss nicht unbedingt den Weg der mühsamen Abgrenzungen und Begründungen gehen, um den eigenen Namen als Autor bei den Pflanzennamen zu manifestieren - es reicht, wenn man die nomenklatorischen Regeln einigermaßen einhält. Eine fachliche Diskussion gibt es in den Consensus-Kreisen mit den "Außenstehenden" in Internoto und Inter-Parodia-Kette nicht. Also, nichts wie hin! Man kann einfach weitere Kreationen von Parodiennamen schaffen und dabei den eigenen Namen präsentieren, oder? Muss man aufpassen, dass man nicht doppelte Namen schafft? Manche Namen, die Notokakteen tragen, gibt es schon bei Parodien. Macht nichts.
Was die nomenklatorische Seite angeht, sei hier ein Hinweis auf die Veröf-fentlichung von Prof. Dr. B.E. Leuenberger in INTERNOTO 1986 gebracht, der ausführ-lich die Entwicklung des Namens Notocactus beschreibt und analysiert. Er führt u.a. die Tatsache auf, dass der Namen Notocactus ursprünglich für eine Untergattung der Gattung Echinocactus von SCHUMANN benutz worden ist und dass diese "... neben den auch heute der Gattung Notocactus (einschließlich Brasilicactus und Eriocactus) zugerechneten Arten auch die Vertreter der heutigen Gattungen Frailea und Parodia umfasste ...". Weiter schreibt Prof. Leuenberger, dass er sich hinsichtlich der Gültigkeit von Notocactus Fric an drei Mitglieder der Nomenklaturkomission der International Association of Plant Taxonomist und die Herausgeber des Index Nominum Genericorum gewandt hat, uzw. mit dem Ergebnis "Notocactus Fric erfüllt die formalen Anforderungen des ICBN". Anders gesagt ist der Name gültig. Es war 1986! Da war IOS schon unterwegs in Richtung Parodien.

Zwischenbilanz:

1. Gleich am Anfang der "Aktion Notocactus -> Parodia" der IOS fällt einem auf, dass geschrieben wird, dass das ganze Umkrempeln nur deswegen beschlossen wurde, weil einige IOS-Mitglieder der Meinung waren, es seien zu viele Gattungen da und dass es "unglücklicherweise keine praktischen Mittel gibt, wie man Notokakteen von Parodien unterscheiden kann". Eine epochale Begründung! Streng logisch. Eliminierung einer Gattung ganz einfach.
2. Dann fällt eine weitere heitere "Begründung", fast eine Entschuldigung, auf: "nur die anderen Notokakteen wurden zu Parodien transferiert, Brandt hat schon Arten umkombiniert, die Anzahl der neuen Namen ist nicht so groß". Abgesehen von dem Status der Brandtschen "Umkombinierungen", waren es deren nur 16, was gegenü-ber der Gesamtanzahl der Noto-Arten unter 20% ausmacht. Auch eine streng logische Begründung.
3. In einem Zug sind kurz danach 17 Notokakteen genannt worden, jetzt zu Parodien umkombiniert. Warum diese 17 und nicht andere Notos und wohin mit ihnen bei den Parodien - das wurde nicht gesagt - nur die Namen wurden genannt.
4. Man suchte die Begründung in einem Satz aus Glätzle / Prestle (1986), BRADLEYA Nr.4 "Niemand zweifelt heute, dass Notocactus und Parodia einen gemeinsamen Ursprung besitzen, der sich in eine Hochgebirgslinie (Parodia) und eine Pampalinie (Notocactus) verzweigt hat". Dieser Satz sagt ja nicht aus, dass die Notokakteen in die Parodien eingemeindet werden sollen und es zweifelt auch keiner von Internoto an der Richtigkeit dieses Satzes. Aber darin eine Begründung für so ein IOS-Verfahren zu suchen ?
Schon gleich am Anfang war die Vereinleibung der Gattung Notocactus in die Gattung Parodia eine Fehlkonstruktion und unbegründet, ein voreiliger Schnell-schuss - ohne jegliches Konzept.
Machen wir aber weiter:
5. In der Zeit der EUROPEAN GARDEN FLORA III existierten schon sehr wohl begründete Einwände gegen die Einverleibung der Notos in die Parodien, nur wurden die nie von den Consensus-Vertretern zu Kenntnis genommen. Man produzierte nur weiter Fehler, ohne taxonomische Kenntnisse wurden deutlich unterschiedliche Arten synonymisiert (auch eine Art von "lumping").
6. Es wurden nomenklatorisch falsche Darstellungen produziert und unzulässige Handlungen durchgeführt (z.B. in der Arbeit mit Brandts Pflanzennamen), die also unwirksam geblieben sind. In den Arbeitsergebnissen gibt es Lücken, zwischen einzelnen Darstellungen der Entwicklungsetappen gibt es Unkonsistenzen. Auch in dieser Phase der "Entwicklung" zum Thema Notokakteen -> Parodien seitens der Consensus-Mitwirkenden wurden unserseits begründete Gegendarstellungen veröf-fentlicht und wieder unbeantwortet geblieben. Jetzt wurde schon langsam aber sicher dadurch der Eindruck geweckt, dass diese "Nichtbeantwortung" auf ein bewusstes Verhalten der Consensus-Mitglieder zurückzuführen sei. Die bisher letzte Etappe der Consensus-Darstellungen wurde mit dem Erscheinen des ersten Heftes der Hunt-Privatreihe CACTACEAE CONSENSUS INITIATIVES (CCI), bzw. mit dem Erscheinen der Nr.4 dieser Reihe eingeläutet:
7. Bei dem Erscheinen der ersten Nummern dieser Reihe - CCI - habe ich mich an die Diskussionen, die vor einigen Jahren geführt worden sind, erinnert, in welchen Zeitschriften (also gedruckten Medien) Erstbeschreibungen, Kombinationen usw. erscheinen sollen, um anerkannt zu werden. In CCI hat man damals keinen Zulassungshinweis diesbezüglich gefunden und man hegt Zweifel daran, ob CCI als "ein verbreitetes und allgemein zugängliches Blatt" anzusehen sei. Um Gottes Willen: ein Vergleich CCI/KAKTEEN- UND ORCHIDEEN-RUNDSCHAU unter Berücksichtigung des o.g. Themas werde ich mir nicht erlauben zu ziehen.
8. In der CCI-Nummer 4 wurden acht neue Parodiennamen mit Basionymen aus der Gattung Notocactus veröffentlicht. Auch hier findet man für die Aufstellung eine "interessante" Begründung: "Die Umkombination erfolgte wegen der CITES-2" und Basta. Auch hier habe ich die Logik der Auswahl einzelner Pflanzen nicht begriffen. Und ich fand auch hier keinen Hinweis, auf welcher Stelle der Gattung Parodia die neuen Kreationen stehen sollten. Wie früher! Die Laien werden auf die Einhaltung bestimmter Formalien immer wieder hingewiesen - und: wie ist es mit der Einhaltung der Regeln bei den CCI-Systematikern?
9. Und dann gibt es noch in CCI (was jetzt CSI genannt wird) Listen mit Notokakteen, die "zu Vergessen" sind. Auch solche Empfehlungen gibt es, und die Pflanzen tragen da einen schönen Namen, nämlich "Limbo-Pflanzen".
10. Zusammenfassend nun etwas zu CITES: Erheiterung hat bei mir folgende Aussage (ernst gemeint) als Lob zu der Ausgabe von CITES1992 hervorgerufen: "Schnell nach dem Erscheinen der European Garden Flora herausgegeben ... mit dem Vorteil, dass es billig ist". Wozu ein Kommentar? Dass in CITES auch Arten aufgeführt sind, die zum Zeitpunkt der Herausgabe nicht gültig beschrieben worden sind, oder schon andere Namen getragen haben, dass man beschriebene Pflanzen nicht findet etc., dass lasse ich unter dem Motto "Wer ist schon fehlerfrei?" laufen. Im selben Licht sehe ich auch Teile des Sonderheftes "Schumanniana 3" (erschienen Januar 2002). Nur ist mir nicht wohl ums Kakteenherz.
Zehn Punkte sind genug. Details kann man in der Literatur finden, mit Analysen, Vergleichen, Beschreibungen, Kommentaren etc.
Ja, noch was: wo sind die Varietäten und Formen der umkombinierten Arten geblieben? Warum ist es seit längerer Zeit so still um das Thema seitens der Consensus-Freunde geworden? Liegt irgendwo ein Überraschungs-Ei?
Das langsam unüberschaubare Sammelsurium aus unbegründeten, löcherigen, konzeptionslosen und quasi-taxonomischen Handlungen haben wir nicht verdient - und die Pflanzen in keinem Falle!

Die letzten Jahre

Die Anzahl der Arten und Namen hatte sich seit 1960 vervielfacht. Oftmals wurden Doppelbeschreibungen produziert, die Beziehungen zu verwandten Taxa nicht gründlich analysiert, es wurden neue Taxa z.B. nur aufgrund weniger körperlicher Merkmale geschaffen etc. Es wurden oftmals taxonomische Handlungen ohne Konzept bzw. ohne Begründung durchgeführt und präsentiert. Bei genauem Hinsehen stand hinter den neuen Namen manchmal also gar nichts Begründetes, sondern etwas Konzeptionsloses, Lückenhaftes, in vielen Fällen auch nur etwas Abgeschautes oder Nachgebabbeltes. Auch durch Fehlinterpretationen oder falsche Wiedergabe nomenklatorisch klarer Taxa sind manchmal Missverständnisse oder weitere "Kreationen" entstanden.
Seit Bestehen der Zeitschrift INTERNOTO haben verschiedene Autoren versucht, die große Menge solcher Notocactus-Kreationen zu reduzieren und nach gründlicher, manchmal sehr langwieriger Bearbeitung des Pflanzenmaterials taxonomisch neu zu bewerten, zusammen zu ziehen und dies auch nomenklatorisch darzustellen.
Viele Pflanzen wurden neu studiert, in der Natur sowie in der Kultur, beobachtet und die Ergebnisse zusammengefasst. Endlich entstand daraus in den Notokakteen-kreisen die TAXONOMISCHE NEUBEARBEITUNG DER GATTUNG NOTOCACTUS, die 2004 in INTERNOTO 25 (2) veröffentlicht wurde. Im selben Zeitraum haben auch die Parodia-Freunde, zusammengeschlossen in der Inter-Parodia-Kette, ihre Gespräche und Studien auf dem Felde der Taxonomie begonnen, leider nur begonnen. Ausgeprägt ist die Ablehnung der erwähnten Integration Notocactus -> Parodia.
Die Befürworter der Zusammenlegung sollen auch in Argentinien, in den Anden, die Parodien (so wie in Uruguay und Brasilien die Notos) untersuchen, Zusammenlegungsfreaks sollen m.E. diese Pflanzen kennen, schön auch auf über 3000m kraxeln, sich den steinigen Sand- und Lehmboden ansehen.
Hat man von einer Arbeit an den Supraspezifischen Kategorien im Bereich Notocactus / Parodia, die immer noch fehlt, Angst?

Untersuchungen und Auswertungen molekularer anatomischer und morpholo-gischer Merker

Während auf der Liebhaberseite noch die Arbeiten an der neuen taxonomischen Gliederung der Gattung liefen und die ersten Meinungsbildungen zur neuen Struktu-rierung und Positionierung der Gattungen Notocactus und Parodia (weniger) im Rahmen der Unterfamilie Notocactinae diskutiert worden sind (unter Ablehnung der Eingliederung der Notokakteen in Parodien jetzt schon von beiden Vereinigungen - Internoto und Inter-Parodia-Kette), liefen auf der Harward.-Universität in Cambridge die ersten Untersuchungen und Auswertungen molekularer, anatomischer und morphologischer Merker der Unterfamilie Notocactinae.
Von den für uns relevanten Pflanzen wurde Material der Gruppen Parodia, Proto-parodia, Obtextosperma, Notobrasilia, Notocactus (ehem. Eriocactus), Gymnocephalus (ehem. Untergattung Notocactus), Neonotocactus und Malacocarpus (Wigginsia) untersucht und die Ergebnisse einer kladistischen Analyse unterzogen. Kurze Zusammenfassung der Analysen-Ergebnisse:
- die heutigen Untergattungen von Notocactus, die Untergattung Brasilicactus und Notobrasilia stehen sich sehr nahe, sind sich - molekular gesehen - sehr ähnlich; Sie gehören auf einer Seite nicht zu Parodien, auf der anderen aber auch nicht zu der Gattung Notocactus
- genau so steht nach den Untersuchungen die Untergattung Notocactus (ehemals Eriocactus) da
- gut zu den Parodien und Notokakteen abgegrenzt scheint auch die Untergattung Malacocarpus (ehemals Gattung Wigginsia) zu sein
- bei den Parodien scheinen sich zwei Gruppen zu bilden, die zusammenstehende Gruppe der Protoparodia und Obtextospermae und die Parodia
- gut selbstständig als Gruppen stehen im Rahmen der Gattung Notocactus die Untergattungen Gymnocephalus und Neonotocactus
- die Bildung der Gruppe "ottonis" auf einer und "minimus" auf den anderen Seite in der Untergattung Gymnocephalus, so wie diese sich bei den Untersuchungen ergeben haben sollten, wird von Notokakteen-Freunden z.Zt. nicht als realistisch gesehen.
Eine Fortsetzung der Arbeiten zu diesem Themenkreis ist in Aussicht gestellt worden. Vermisst werden unserseits detailierte Arbeiten und Analysen "des Lebens der Parodien in der Wildnis", die z.B. dann die Strukturierung der Gattung Parodia, so wie sie in der Publikation "ANDERSON, E.F./EGGLI, U. (2006): Das große Kakteen-Lexikon" veröffentlicht ist, beleuchten bzw. erläutern.
Seit 2004, unterstützt bei manchen Aufgaben durch den Palmengarten der Stadt Frankfurt am Main - Erhaltungssammlung Notokakteen, am Institut für Systema-tische Botanik der Universität Zürich, ein konkreteres Projekt aus dem Bereich der phylogenetischen Untersuchungen, der Biogeographie und der Taxonomie der Parodia-Gruppen (Parodia s.l., mit eingegliederten Notokakteen), focusiert leider haupsächlich auf die "ehemaligen" Notokakteen, bearbeitet. Vorläufige Ergebnisse wurden für 2005 erwartet.

Zusammenfassung, Ergebnis

1. Auch nach den Überlegungen und Studien zur neuen Strukturierung und Positionierung der Gattungen Notocactus und Parodia im Rahmen der Unterfamilie Notocactinae wird die Eingliederung der Notokakteen in Parodien, so wie von IOS vorgeschlagen, von beiden Liebhaber-Vereinigungen, von Internoto und der Inter-Parodia-Kette, als eine voreilige und lückenhafte Fehlkonstruktion, weit jeglicher Realität, abgelehnt.

2. Die Aussagen der Molekular-Untersuchungen zu den heutigen Untergattungen Notocactus, Brasilicactus und Brasiliparodia können akzeptiert werden. Der entsprechende Bereich der Notocactinae würde dann wie folgt aussehen

Gattung Notocactus
Untergattung Notocactus ( = Gymnocephalus)
Neonotocactus
Malacocarpus
Gattung Parodia
Untergattung Obtextospermae + Protoparodia
Parodia
Gattung Brasilicactus + Notobrasilia
Gattung Eriocactus
etc.

Die ggf. in diesem Bereich anfallenden Änderungen können und wollen die Mitglieder von Internoto und der Inter-Parodia-Kette derzeit noch nicht kommentieren. Dem Bearbeiter ist klar, dass den hier aufgezeigten Schritten eine taxonomische und nomenklatorische Weiterbearbeitung folgen muss.

3. Ein Kompromiss ist auch möglich: Die Gattungen Parodia und Notocactus werden "gleichberechtigt" behandelt, auch vereint - aber unter anderen Bedingungen als beim Motto "Alles ist Parodia". Es könnte ein Modell sein, was auch die Vertreter der Vereinigungslehre vielleicht zufrieden stellen kann:

Alle in der Zusammenfassung getätigte Aussagen bzw. Vorschläge sind ohne Kenntnis der Ergebnisse von fortführenden Arbeiten (s.o.) der Universität Zürich getätigt worden. Sicher hat auch die neue taxonomische Bearbeitung der Gattung Notocactus durch Internoto den Weg des Zusammenlebens von Notokakteen und Parodien geglättet. Leider fehlt hier immer eine ähnliche Bearbeitung der Parodien-Seite.

Es könnte sein, dass die Ergebnisse der Untersuchungen überhaupt nichts zeigen, oder nur Ergebnisse bringen, die nicht zu prägnanten Veränderungen führen können. Dann wird sich an der Situation des heutigen taxonomischen Modells nicht viel ändern; nur die Abkoppelung von Brasilicactus, Eriocactus etc. könnte geregelt werden:

(verfasst im Jahre 2006/2007)

Der gesamte Artikel samt Anhang ist als .pdf download verfügbar:

Notokaktus und / oder Parodia?

 


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