Teile der Blüte

Stand: 23/02/2003

Da in den letzten hundert Jahren viele Kakteen nicht von Fachbiologen, sondern von Laien beschrieben wurden, sind viele der dort gebrauchten Termini nicht hundertprozentig korrekt. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, die Fehler in den Beschreibungen zu korrigieren und damit vergleichbarer zu machen. Wir haben bis auf wenige Teile die Texte der Beschreibungen so belassen, wie von den Autoren formuliert wurde. Den bei F. Ritter (1979) noch gebräuchlichen Ausdruck "Stacheln" für die Dornen haben wir ausgetauscht. Zum Zweiten wurden die Maße des Griffels bei Ritter um die Länge der Narbenäste verkleinert, deren Wert F. Ritter immer addiert hatte. Auch bei den Areolenentfernungen meint Ritter immer die freie Entfernung, andere Autoren messen von Mitte zu Mitte der Areolen.

Bis in letzter Zeit wurde der Terminus Petalen statt Tepalen für die Perianthblätter verwendet.

Bei F. Ritter finden wir die Abkürzung Krbl. mit der Erläuterung: Kronblätter, Hüllblätter, Petalen). Er gebraucht den deutschen Ausdruck Blütenröhre (oder kurz "Röhre") für Receptaculum.

Die Insertionshöhe der Staubfäden in die Röhrenwand ist ein wichtiges Merkmal , um bei den Notokakteen Sektionen einteilen zu können. F. Ritter hatte die Bedeutung dieses Merkmals nach BUXBAUM als erster richtig erkannt. Den Unterschieden im Blütenbau zwischen den Sektionen ( bei Buxbaum Untergattungen) Notocactus und Neonotocactus entsprechen nämlich bestimmte Tageszeiten der Blütenöffnung und Samenstrukturmerkmale. Die Sektion der Neonotokakteen zeigt hierin relativ wenig Verwandtschaft zu den Parodien.

Für die Staubblätter finden wir manchmal auch den Terminus Stamina in der Literatur.

Wie bei den Samenmerkmalen können wir nach Analyse der Erstbeschreibungen feststellen, daß mit der Zeit mehr Details aufgelistet werden. Die ersten Beschreibungen vor 170 Jahren nannten oft nur die Blütenfarbe. Die zumeist gelbe Blütenfarbe ist aber auch in der heutigen Zeit ein Problem. Was ist der Unterschied zwischen Zitronengelb, Schwefelgelb, Kanariengelb, Dottergelb usw.? Selbst der Vergleich mit genormten Farbtafeln bringt nur dann etwas, wenn die Angaben am Standort unter stets gleichen Lichtbedingungen erfolgten. Leider bringen die Pflanzen einer Population unter gleichen Kulturbedingungen manchmal unterschiedlich stark gesättigte Gelbtöne in den Blüten hervor. Es konnte sogar schon dokumentiert werden, daß ein Individuum in aufeinander folgenden Jahren mal intensiv gelb gefärbte und dann wieder stark aufgehellte Blüten ausgebildet hat.

Auch die Angaben in Millimeter oder Zentimeter für bestimmte Blütenteile sind mit Vorsicht zu behandeln. Jede Blüte und damit auch fast jedes Teil der Blüte wächst an den Folgetagen nach der ersten Blütenöffnung aus. Die Längenmaße können sich bis 25 Prozent vergrößern.

Wir haben immer dann mehr Details der Beschreibungen gebracht, wenn die Pflanzen selbst in unseren Sammlungen wenig verbreitet sind. Das gilt für einige Taxa, die F. Ritter 1979 beschrieben hat, aber auch für andere, bei denen wir die Synonymie oder sehr nahe Verwandtschaft zu anderen Taxa vermuten.

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